Internationaler Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft zelebriert
Heute wird der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft begangen – ein Datum, das die Bedeutung von Geschlechtergleichstellung, der Überwindung bestehender Hürden und der Umsetzung inklusiver Bildungspolitiken in den MINT-Fächern hervorhebt.
In Kap Verde gibt es zwar Fortschritte beim Zugang von Frauen zur Bildung, doch die Vertretung von Frauen in wissenschaftlichen Berufen weist weiterhin „erhebliche Ungleichgewichte“ auf.
Im Jahr 2018 waren rund 66,8 Prozent der Studierenden in den Bereichen Naturwissenschaften, Ingenieurwesen und Technologie Männer, während nur 33,2 Prozent Frauen waren.
Im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) wurden Ende 2023 etwa 500 männliche und lediglich 200 weibliche Studierende gezählt – ein Hinweis darauf, dass junge Frauen diese Berufsfelder weiterhin deutlich seltener wählen.
Dennoch sind die Fortschritte im Hochschulbereich bemerkenswert: Derzeit sind 50,9 % der Personen mit mittlerer oder höherer Qualifikation in Kap Verde Frauen. Dies spiegelt eine kontinuierlich steigende Präsenz von Frauen auf höheren Bildungsstufen wider.
Um die Herausforderungen und Chancen der weiblichen Beteiligung an den Wissenschaften näher zu beleuchten, sprach die Nachrichtenagentur Inforpress mit Fachleuten, Praktikern und Vertretern von Hochschulen, die Wissenschaft und Technologie zunehmend in ihre Studienpläne integrieren.
Diese Akteure bieten eine praxisnahe und strategische Einschätzung der wissenschaftlich-technologischen Realität in Kap Verde.
Für Cleonice Moreira, Koordinatorin der Fachgruppe Informatik und Multimediatechnologien an der Universität Kap Verde, führt die höhere Beteiligung von Frauen im Hochschulbereich nicht automatisch zu einer stärkeren Präsenz in wissenschaftlichen Laufbahnen oder Führungspositionen.
„Der Zugang zu Forschungsnetzwerken, Führungsfunktionen und wissenschaftlicher Finanzierung ist weiterhin ungleich verteilt. Zu erkennen, dass diese Bereiche überwiegend männlich geprägt sind, ist der erste Schritt, um sie durch Gleichstellungspolitiken und Mentoringprogramme zu verändern“, erklärte sie.
Zudem betonte sie, dass Neugier, Kreativität und Problemlösungskompetenz kein Geschlecht hätten.
„Keine Frau und kein Mädchen sollte das Gefühl haben, ein bestimmtes Fachgebiet sei nicht für sie bestimmt. Mentoren zu suchen, sich frühzeitig an wissenschaftlichen Projekten zu beteiligen und an das eigene Potenzial zu glauben, sind entscheidende Schritte. Wissenschaft erfordert Ausdauer, wirkt aber transformierend – sowohl persönlich als auch gesellschaftlich“, fügte sie hinzu.
Zu den Initiativen zur Förderung der weiblichen Beteiligung an der Wissenschaft zählt unter anderem das Projekt „Kafuca“, das vom Accelerator Lab des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) und RS2Lab konzipiert und in Zusammenarbeit mit dem Labor EDS TonsLab umgesetzt wurde.
Das Projekt passt eine traditionelle Lampe an erneuerbare Energien an, bringt Strom in Gemeinden ohne Energieversorgung und zeigt, wie angewandte Wissenschaft konkrete soziale Wirkung entfalten kann.
Ein weiteres relevantes Projekt ist ÍMPAR, kofinanziert von der Europäischen Union, das die Selbstständigkeit von Frauen und Mädchen in der Sozialwirtschaft Subsahara-Afrikas stärkt.
Laut Sheila Mendes, Mitglied der Gründungskommission des Verbands der Wissenschaftlerinnen von Kap Verde, verbindet das Programm Ausbildung, Unternehmertum und Mentoring, um Kompetenzen für innovative Lösungen zu entwickeln.
„Unser Ziel ist nicht, Männer auszuschließen, sondern sicherzustellen, dass die Beteiligung von Frauen an der Wissenschaft anerkannt und wertgeschätzt wird. Wir wollen zu einer nachhaltigen und inklusiven Entwicklung beitragen, im Einklang mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und neuen Technologien“, betonte Mendes.
Die Universität Jean Piaget integriert laut Rektorin Joanita Rodrigues die Geschlechtergleichstellung als grundlegendes Prinzip ihrer akademischen und wissenschaftlichen Politik.
„Wir fördern die Beteiligung von Frauen an der Forschung, unterstützen weiterführende Qualifikationen und schaffen Bedingungen für den beruflichen Aufstieg in der Wissenschaft, wobei Leistung und Chancengleichheit im Mittelpunkt stehen. Dass die Universität heute mehrheitlich von Frauen geleitet wird, zeigt, dass Wissenschaft, akademisches Management und Führung allen offenstehen“, erklärte sie.
Die Hochschule organisiert zudem Outreach-Programme, Wissenschaftskommunikation und Kooperationen mit Schulen, um Mädchen und junge Frauen für MINT-Karrieren zu begeistern.
Die Präsenz von Frauen in führenden akademischen und wissenschaftlichen Positionen – auch in der Hochschulleitung – dient als Inspiration und Beweis dafür, dass eine Laufbahn in der Wissenschaft möglich ist, wenn sie durch inklusive Bildungspolitiken und eine engagierte Gemeinschaft unterstützt wird.
Robuste öffentliche und institutionelle Maßnahmen seien notwendig, um die tatsächliche Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen der Wissenschaft zu gewährleisten – vom Zugang zu MINT-Studiengängen über den Studienerfolg bis hin zu Führungspositionen und exzellenter Forschung.
Letztlich gehören Wissenschaft und Technologie allen – unabhängig vom Geschlecht. Mädchen frühzeitig zu fördern, Unterstützungsnetzwerke aufzubauen und Mentoring zu stärken, gelten als entscheidende Schritte, um die Präsenz von Frauen in der Wissenschaft dauerhaft zu festigen.