Migranten werden mit der Hoffnung auf Europa nach Kap Verde gelockt

Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern berichten von schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Kap Verde. Viele seien mit Versprechen auf gut bezahlte Arbeitsplätze oder mit der Hoffnung auf eine spätere Weiterreise nach Europa in den Inselstaat gekommen. Dies geht aus Berichten hervor, die Betroffene gegenüber der Nachrichtenagentur Lusa schilderten.

Eine 33-jährige Nigerianerin, die anonym bleiben möchte, kam vor etwa zehn Monaten nach Kap Verde. Um die Reise zu finanzieren, verkaufte sie ihr Auto und zahlte einem Vermittler 800 Euro.

Dieser hatte ihr eine Stelle als Pflegekraft für einen älteren Menschen sowie eine Unterkunft zugesichert.

„Meine Schwester arbeitet am Flughafen in Nigeria und bemerkte, dass immer mehr Menschen nach Kap Verde reisten“, erzählt sie.

Eine Frau in Nigeria habe sich als Vertreterin einer Agentur ausgegeben und versprochen, sämtliche Formalitäten zu übernehmen. Doch als die Nigerianerin in Praia ankam, wartete niemand auf sie. Ohne Kontakte vor Ort und ohne Kreolischkenntnisse fand sie sich plötzlich allein in einem fremden Land wieder.

„Ich lief zu Fuß durch die verschiedenen Stadtviertel und suchte Hilfe und Arbeit.“

Erst Monate später fand sie mit Unterstützung der afrikanischen Gemeinschaft eine Anstellung als Hausangestellte. Heute verdient sie 24.000 Escudos (rund 218 Euro) monatlich, verfügt über einen Arbeitsvertrag und ist beim Sozialversicherungssystem angemeldet.

„Jetzt ist meine Situation stabiler, und ich werde hier bleiben.“

Nach Angaben von Celestino Dias von der guineischen Vereinigung Cabaz di Terra kommen viele Menschen mit unrealistischen Erwartungen nach Kap Verde. „Viele reisen mit einer Illusion an.“ Statt der versprochenen Arbeitsplätze landen zahlreiche Migranten im informellen Sektor – ohne Arbeitsvertrag und ohne sozialen Schutz. Besonders Frauen arbeiten häufig als Straßenverkäuferinnen oder Haushaltshilfen, während Männer vor allem im Baugewerbe oder als Nachtwächter beschäftigt sind.

Ein Arbeiter aus Guinea-Bissau berichtet, dass ihm ein Freund von hohen Verdienstmöglichkeiten in Kap Verde erzählt hatte.

„Ich war Händler in Guinea-Bissau. Ein Freund sagte mir, hier könne man viel Geld verdienen. Als ich ankam, merkte ich schnell, dass die Realität ganz anders aussieht.“

Er hatte gehofft, im Baugewerbe bis zu 70.000 Escudos (etwa 634 Euro) monatlich verdienen zu können.

Tatsächlich erhalten Hilfsarbeiter meist etwa 1.000 Escudos (rund 9 Euro) pro Tag, erfahrenere Arbeiter bis zu 2.000 Escudos (18 Euro). Zusätzlich klagen viele über verspätete Lohnzahlungen, wodurch sie ihre Familien in der Heimat nicht unterstützen können. Unter der starken Sonne verlegen er und seine Kollegen Straßenpflaster – oft ohne ausreichende Schutzausrüstung.

„Manchmal haben wir nicht einmal Geld, um Medikamente gegen Kopfschmerzen oder andere Beschwerden zu kaufen.“

Ein weiterer Arbeiter aus Guinea-Bissau berichtet, dass er seit fast einem Jahr in Kap Verde lebt.

„Ich hatte nie einen Arbeitsvertrag, und die Löhne kommen fast immer verspätet.“

Ein dritter Migrant erklärt sogar: „In meiner Heimat habe ich mehr verdient. Hier kann ich mir nicht einmal immer ausreichend zu essen leisten.“

José Ramos Viana, Präsident der Plataforma da Comunidade Africana, warnt vor organisierten Netzwerken, die Menschen mit falschen Versprechen anwerben.

„Sie versprechen das Blaue vom Himmel, kassieren Geld und verschwinden, sobald die Menschen angekommen sind. Das sind kriminelle Strukturen.“

Nach seinen Angaben werde häufig auch die Vorstellung verbreitet, Kap Verde könne als Sprungbrett nach Europa dienen. Manche Vermittler versprechen angeblich sogar eine erleichterte Weiterreise nach Portugal und verlangen dafür zusätzliche Zahlungen. Darüber hinaus gebe es Fälle von Dokumentenfälschung und Ausbeutung innerhalb der Migrantengemeinschaften selbst.

„Viele besitzen keine gültigen Dokumente, können ihre Rechte nicht einfordern und akzeptieren deshalb niedrige Löhne und verspätete Zahlungen.“

Hinzu kommen Sprachbarrieren, Integrationsprobleme und Diskriminierungserfahrungen. Der Generalinspektor für Arbeit in Kap Verde, Anildo Fortes, räumt ein, dass es Hinweise auf problematische Vermittlungspraktiken gibt.

„Es besteht das Risiko, dass angebliche Arbeitgeber diese Situation ausnutzen.“

Besonders kritisch sei die Lage im Baugewerbe, wo ein hoher Grad an Informalität herrsche und Arbeitnehmer häufig zwischen verschiedenen Baustellen wechselten. Gleichzeitig betont er, dass die Behörden gemeinsam mit der Nationalpolizei, der Einwanderungsbehörde und der nationalen Beobachtungsstelle gegen Menschenhandel Kontrollen durchführen. Paradoxerweise leidet Kap Verde gleichzeitig unter einem zunehmenden Arbeitskräftemangel. Die Regierung und Wirtschaftsverbände weisen seit Jahren darauf hin, dass viele Kapverdier ins Ausland – insbesondere nach Portugal – auswandern, um bessere wirtschaftliche Perspektiven zu finden. Um diese Lücken zu schließen, setzt sich die Regierung verstärkt mit der Frage auseinander, wie ausländische Arbeitskräfte künftig angeworben und besser integriert werden können. Die Berichte der Betroffenen zeigen jedoch, dass zwischen dem tatsächlichen Bedarf an Arbeitskräften und den Erwartungen vieler Migranten oft eine große Lücke besteht. Für zahlreiche Neuankömmlinge wird Kap Verde nicht zum versprochenen Tor nach Europa, sondern zu einem schwierigen Neuanfang unter unsicheren Bedingungen.

 

Quelle: Imigrantes seduzidos por Cabo Verde com a ilusão de chegar à Europa - Notícias ao Minuto